Pole Art - The Pole Dance Magazine
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Silvana Pavel im Interview

Silvana Pavel im Interview

Interview: Marco Schlichting
Fotos: KH photography

Silvana Pavel begann nach ihrem Studium zur Diplom-Psychotherapeutin ihr Geld als Fitnesstrainerin zu verdienen. Zuvor tanzte sie in ihrer Kindheit mehrere Jahre Ballett. Silvanas damalige Lehrerin, eine ehemalige Primaballerina des russischen Staatsballetts, ließ sie eine harte Schule durchlaufen. Mit fünf Jahren begann sie den Spitzentanz und tanzte von diesem Zeitpunkt an auf der Theaterbühne. Im letzten Jahr eröffnete Silvana Pavel ihr Studio Fitnessdarling und veröffentlichte ihr Buch Fitnessdarlings Fitnessküche. Wir wollten von der smarten Mittvierzigerin und begeisterten Pole Tänzerin wissen, wie sie all das geschafft hat und wie sie ihre Kindheit als Ballerina erlebt hat.

2016 hast du dein Studio Fitnessdarling in Wettenberg bei Gießen eröffnet und dein Buch Fitnessdarlings Fitnessküche herausgebracht. War 2016 "dein" Jahr?

2016 war definitiv mein Jahr. Nachdem ich Ende 2015 meine erste Pole Dance Schnupperstunde besucht hatte, gab ich meine sämtlichen bisherigen Fitness Kurse ab, die ich bis dahin gab, um mich voll und ganz auf den Pole Sport zu konzentrieren. 2016 habe ich dann beschlossen, meiner Pole Liebe ein Baby zu schenken und das Studio Fitnessdarling wurde geboren.

Du hast dich sehr schnell für ein eigenes Pole Studio entschieden. Was war deine Motivation?

Die Trainingsmethoden im Pole Sport sind sehr vielfältig und mir hat das Training in dem Studio, in dem ich damit begonnen hatte, nicht mehr ausgereicht. Aufgrund der Erfahrungen in anderen Studios, in Bezug auf Methoden und die Organisation, habe ich mich dann dazu entschlossen, ein eigenes Studio zu eröffnen, in dem ich mein eigenes Konzept und meine eigene Vorgehensweise vermitteln kann. Meine B- und Personaltrainer-Lizenz waren eine gute Basis und so konnte ich viele Dinge von vornherein berücksichtigen und das Training individuell gestalten.

Wie hast du das dann in deinem Studio umgesetzt?

Mit viel Zeit habe ich Choreographien ausgearbeitet, welche die Teilnehmerinnen sukzessive stärken, speziell die relevanten Muskelgruppen, welche für Beginner sehr wichtig sind. Ich habe viele Methoden gesehen, die mir missfallen haben und auch die Teilnehmerinnen nicht wirklich glücklich gemacht haben. Aus diesen Fehlern habe ich meine Schlüsse gezogen und mache das in meinem Studio einfach anders. Ich bin immer überglücklich, wenn eine meiner Teilnehmerinnen einen Erfolg verbuchen kann und freue mich wie eine Mama, deren Kind die ersten Schritte geht.

Wie sah das Feedback deiner Teilnehmerinnen aus?

Der Versuchsballon mit meinem Studio ist besser gestartet als erwartet und ich habe mich nach acht Monaten in neue, größere Räume vorgewagt.

Silvana Pavel in ihrem Studio Fitnessdarling
Silvana Pavel in ihrem Studio Fitnessdarling (Foto: KH photography)

Und zur gleichen Zeit hast du noch ein Buch über Ernährung geschrieben.

Ja, meine Leidenschaft zum Clean-cooking und der Ernährung im Allgemeinen sowie einige Bekannte und Freunde, welche meine Rezepte mochten und auch nachgekocht haben, haben mich motiviert ein eigenes Buch zu schreiben. Gesundes und ausgewogenes Essen, am besten noch fleischlos. Und ich finde, gerade für Sportler sind diese Rezepte besonders geeignet.

Wann kam bei dir der Punkt, an dem du gesagt hast, du machst das jetzt?

Dieses Buch ist mit dem Hintergrund entstanden, endlich mit Diätlügen, leeren Versprechungen und falschen Hoffnungen aufzuräumen. Ich erlebe täglich, wie Menschen sich damit ihr Leben schwer machen – und was passiert? Entweder nichts oder sie nehmen tatsächlich ab. Aber das nicht von langer Dauer und meist noch mit Nährstoffdefiziten, die aus der mangelhaften und meist falschen Ernährung resultieren. Die Bikinifigur kommt nicht mit einer Diät oder einer 30-Tage-Challenge!

Diese Versprechungen hat jeder schon mindestens einmal irgendwo gelesen oder gehört.

Das sind Versprechungen, die nicht zu realisieren sind. Eine Bikinifigur – egal mit welchen Voraussetzungen – ist harte Arbeit und verlangt eine ungeheure Disziplin und Konsequenz, insbesondere, was die Ernährung angeht. Ich musste mir alles davon erst selbst eingestehen. Viele sind schnell überzeugt von Versprechungen, vom Wunschgewicht und davon, den Traum-Body zu erreichen, und das ist eine Goldgrube für diejenigen, die eben solche Versprechungen machen.

Was ist deine Versprechung?

Der Weg zum Traumkörper ist ein Mosaik, welches sich aus vielen Teilen zusammensetzt und manchmal sind erst bestimmte Teile als Basis nötig, um das eigene Bild weiter ausbauen zu können. Ohne diese Teile ist ein komplettes Bild nicht möglich. Jeder sollte zuerst seine Ziele genau definieren: Was will ich? Wo will ich hin? Was ist realistisch? Eigentlich ist alles ganz einfach – und doch so hart! Eine gesunde Ernährung gibt uns Power, kurbelt den Stoffwechsel an und bewahrt uns vor einer Vielzahl von Krankheiten. Außerdem geht es um Gewohnheiten. Schon nach 10 bis 11 Tagen kann man sich an neue Umstände anpassen.

Woher hast du die Grundlagen dafür genommen?

Die Ernährung hat schon in jungen Jahren eine wichtige Rolle für mich gespielt und mein Interesse daran habe ich über viele Jahre durch Studiengänge vertieft.

Warum passt dein Buch besonders für Sportler?

Die Rezepte sind sehr ausgewogen und leicht, deswegen geben sie dem Körper das, was er bei einer figurbewussten Ernährung als Sportler braucht. Die Rezepte lassen sich prima in den Trainingsplan integrieren. Da die Rezepte ohne Zusätze von Zucker oder Weizen sind und überwiegend Lebensmittel mit einem hohen Nährstoffgehalt zum Einsatz kommen, sind sie leicht bekömmlich und kurbeln den Stoffwechsel an. Und ich denke, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Was sind deiner Meinung nach No-Gos, wenn es um die Ernährung geht?

Das sind vor allem Zucker- und Weizenprodukte.

Was empfiehlst du stattdessen?

Für ein gesundes Leben und eine Gewichtsreduktion empfehle ich als Ersatz für Zucker Agavendicksaft oder Ahornsirup und als Ersatz für Weizenprodukte Dinkel, Roggen und Vollkorn.

Silvana Pavel in ihrem Studio Fitnessdarling
Silvana Pavel in ihrem Studio Fitnessdarling (Foto: KH photography)

In einem früheren Interview sagtest du, dass du in deiner Kindheit in der Ballettausbildung warst und mehrere Jahre auf der Theaterbühne standest. Die Trainingsmethoden waren wohl sehr ungewöhnlich für heutige Verhältnisse. Wie siehst du das heute?

Oh je, die waren nicht gerade kindgerecht. Als ich vier Jahre alt war, habe ich mit Ballett angefangen und mit fünf Jahren dann den Spitzentanz. Ich glaube, das ist in der heutigen Zeit undenkbar, jedenfalls hierzulande. Das ist allerdings auch schon mehr als 40 Jahre her. Wir mussten auf die Bühne, ob wir wollten oder nicht, aber es hat sich auch keiner getraut zu murren oder zu weinen. Ich glaube, unsere Eltern wussten gar nicht, welch harte Schule wir durchlaufen. Sie haben nur das Endergebnis gesehen und waren unglaublich Stolz. Das Wachstum und die körperliche Konstitution standen bei dem Training im Hintergrund. In den Spagat wurden wir heruntergedrückt und wenn die Beine an der Stange nicht gerade waren, wurde mit einem Rohrstock auf unsere Knie geschlagen. Blutig getanzte Füßchen waren normal und kaum noch zu sehen unter den ganzen Pflastern und Tapes. 

Was haben deine Eltern damals dazu gesagt? So ganz unsichtbar können die Spuren doch nicht gewesen sein?

Mein Vater war beruflich viel im Ausland unterwegs und hat sich da voll und ganz auf meine Mutter verlassen. Meine Mutter fand es toll, dass ihre Tochter Ballett tanzt und auf der Bühne steht. Den eigentlichen Unterricht haben meine Eltern nicht mitbekommen, sie waren ja nicht dabei. Sie haben nur das Ergebnis gesehen, wenn wir Aufführungen hatten. Aber wir haben das ja alles überlebt. Es ist ja jetzt auch nicht so dramatisch gewesen und es hat auch niemand einen Schaden davongetragen – außer den körperlichen Baustellen, die durch ein solch hartes Training entstehen.

Welche Baustellen sind das?

Mit zehn Jahren kam das aus: Der Orthopäde verordnete mir ein sofortiges Ballettverbot, da meine Füße overstretched waren, der Spann sich stark verformt hatte und die Achillessehne verkürzt war. Leider haben diese bleibenden Schäden eine hässliche Auswirkung auf den Pole Sport. Schöne Füße habe ich leider nicht mehr. Durch hartes, intensives Training hat es sich etwas verbessert. Auch die Flexibilität im Rücken und dem Schultergürtel haben ihre Spuren hinterlassen. Nur durch intensives Stretching und mit der Hilfe meiner Physiotherapeutin kann ich noch etwas dagegen tun.

Das ist schon sehr unglaublich im Sinne von krass!

Ja, meine damalige Lehrerin, eine ehemalige Primaballerina des russischen Staatsballetts, ließ uns eine harte Schule durchlaufen.

Wo war das?

Das waren Ballettschulen in Gießen und Marburg und öffentlich getanzt wurde am Gießener Stadttheater zu Weihnachtsmärchen und anderen diversen Veranstaltungen auf verschiedenen Bühnen im Kreis Gießen.

Das klingt alles so ganz typisch nach der alten Schule des Balletts.

Ja, doch ging es nicht nur den Balletttänzerinnen so, sondern auch den Turnerinnen oder Schwimmerinnen – egal in welchem Sport. Sobald es um Leistung geht, wird auch heute kaum Rücksicht genommen, wie auch beim Fußball, wo Jungs einfach aus dem Verein geschmissen werden, weil sie die Leistung nicht bringen oder ein besserer kommt. Keines dieser Kinder weint großartig zu Hause oder möchte dort nie wieder hin. Irgendwie macht man das immer weiter und hat auch sogar noch Spaß dabei. Es ist schon verrückt, aber ich glaube, einige wissen, wovon ich rede. Einigen ist es vielleicht genauso oder ähnlich ergangen.

Wie siehst du das aus heutiger Sicht als Pole Dance Trainerin oder  was machst du heute als Trainerin bewusst anders als deine Balletttrainerin damals?

Ich gehe auf meine Mädels ein und versuche sie dort abzuholen, wo sie im Moment stehen. Jede arbeitet in ihrem eigenen Tempo und es gibt kein besser oder schlechter. Ich nehme Rücksicht auf die körperliche Konstitution und setze bei Problemen, beispielsweise mit der Rückenmobilität, den Schwerpunkt anders. Ich finde, dass gerade im Pole Sport Erfolg und Niederlage eng beisammen liegen, und daher ist es umso wichtiger, die Mädels zu motivieren und sich ehrlich mit ihnen über Erfolge zu freuen. Der Unterricht soll Spaß machen und die Mädels sollen sich wohlfühlen. Den Leistungsdruck lassen wir draußen vor der Tür stehen.

Silvana im Kurs in ihrem Studio Fitnessdarling
Silvana im Kurs in ihrem Studio Fitnessdarling (Foto: KH photography)

Noch eine Frage zum Schluss: Wo liegen deiner Meinung nach die besonderen Vorteile, Pole Dance in der Gruppe mit einer professionellen Trainerin zu lernen gegenüber dem Training allein zu Hause?

Ich musste leider einige Zeit alleine trainieren und mache es eigentlich immer noch – und ich muss sagen, es ist sehr, sehr schwierig, wenn niemand dabei ist, der mögliche Fehler, Fehlhaltungen et cetera sieht. Oft schaue ich mir Figuren zigmal an und es klappt trotzdem nicht. Gerade über Kopf gibt es hier oftmals Knoten im Kopf. In der Gruppe ist das Training wesentlich effektiver: Die Teilnehmerinnen helfen sich untereinander, lesen sich gegenseitig die Choreographien vor und motivieren einander. Eine Trainerin schaut mit anderen Augen, erkennt Fehler und Probleme sofort und manchmal handelt es sich nur um Zentimeter, die den Trick einfach nicht gelingen lassen wollen. In meinen Kursen haben sich dazu richtige Freundschaften entwickelt. Abgesehen davon sind ein anständiges Auf- und Abwärmen sehr wichtig. In den gemeinsamen Kursen wird das professionell durchgeführt, wohingegen zu Hause schon mal geschludert wird. Ich spreche da aus Erfahrung.

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